Sonntag, 30.04.2017
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Nettelrede schreibt Geschichte

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Über den Deister gehen | Band 1 (ISBN 3-9803489-5-4)
Wahre Geschichte(n), Sagen und Märchen von diesseits und jenseits des Deisters.
Eine heimatkundliche Sammmlung in zwei Bänden.
Zusammengestellt von Gudrun Wildhagen und Udo Mirau
Sonntag, 8. April 1945. In dem kleinen Ort Nettelrede sitzen einige Männer um den runden Tisch in der Gaststube. Sie drehen am Radio. "Um Himmels Willen, bloß keine Feindsender!" mahnt der Wirt. "Wer Feindsender hört, riskiert den Kopf!" Gerüchte, Geraune, Gerede! Ist es wahr, was ein eiliger Gast berichtet? Die Amerikaner sind durch Hachmühlen/Neustadt durch und stehen vor Bad Münder"?
Heinrich B. (Name geändert) ist auf dem Weg zum Kruge. Im Ersten Weltkrieg war er Frontsoldat im Westen - verwundet. Dann kam Versailles, dann Weimar, dann der Führer. Ihm diente er treu als kleiner Funktionär. Es ging endlich wieder aufwärts. Da fällt sein Blick auf die Kirche. Eine weiße Fahne weht am Turm! Er ist entsetzt! Fassungslos! Im Dorfkrug platzt er gleich laut los: "Wer hat die weiße Fahne gehisst? Das warst doch Du!" schreit er den Bürgermeister an, "und ihr wart auch dabei!" geht er auf zwei los, die dem Bürgermeister helfen wollen. "Los! Raus! Die Panzersperren müssen besetzt werden!" Keiner rührt sich. "Ich komme wieder, aber nicht alleine. Da könnt ihr was erleben!" schreit er, dann knallt die Türe zu.
Heinrich B. will nach Springe zur Kreisleitung. Er geht durch das Feld und durch den Wald in Richtung Ziegenbuche. Dort trifft er auf ein paar gehfähige Verwundete aus dem nahen Reservelazarett. "Der Endsieg ist nahe!" meinen sie ironisch. Heinrich B. eilt weiter. Unweit vom Wolfstal, an der Bühringsbuche, stößt er auf eine deutsche Feldwache: Ein Feldwebel, ein paar Mann und ein Maschinengewehr. "Mensch, wo wollen Sie denn hin? Die Deisterpforte ist zu! Einen Tag werden wir noch halten können. Vielleicht!"
In Heinrich B. bricht eine Welt zusammen. Ist nun wirklich alles aus? Und sein Glaube an den Führer war doch so unerschütterlich. Schweren Herzens geht er zurück - ohne Erschießungskommando. Der Bürgermeister und die beiden Verdächtigen haben sich vorsichtshalber in den Wald abgesetzt. Sie haben gesehen, wie Heinrich B. zurückgekehrt ist. Er kam allein. -Daheim legt Heinrich B. seine Uniform ab und schafft sie beiseite. Am Abend sind die Amerikaner im Ort. Keine Toten! Kein Haus zerstört! Wenige Tage später werden Heinrich B. und sein Sohn von den Amerikanern in Haft genommen und in ein Lager verbracht.
Das Bild links zeigt die ehemalige Gastwirtschaft mit einem Ausspann von
Friedrich Siegmann.
Das Erscheinungsjahr dieser Aufnahme ist leider unbekannt.
Die Abbildung ist auf einer historischen
Ansichtskarte zufinden, die ich von Frau Anni Wiese bekommen habe.
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