Freitag, 24.03.2017
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Nettelrede schreibt Geschichte

Der Huckup vom Ohrtal Zurück zur Übersicht
Über den Deister gehen | Band 2 (ISBN 3-9803489-7-0)
Wahre Geschichte(n), Sagen und Märchen von diesseits und jenseits des Deisters.
Eine heimatkundliche Sammmlung in zwei Bänden.
Zusammengestellt von Gudrun Wildhagen und Udo Mirau
Tief im Walde des Deisters versteckt, abseits von allen Wegen auf der Hochfläche des einsamen Taubenberges in der Nettelreder Genossenschaftsforst steht ein großer, kunstvoll behauener Kreuzstein. Er ist schwer zu finden. Kein Wegweiser zeigt den Weg zu ihm und auch sonst deutet nichts auf ihn hin. Er ist ebenso grau wie die mächtigen Buchenstämme, die ihn umgeben. Aus Gras, Springkraut und Annemonen steigt er gleich den benachbarten Bäumen auf, als sei er selbst ein Stück Natur. Man kann auf zwanzig Meter Entfernung an ihm vorübergehen, ohne ihn zu entdecken, oder man kann ihn gar für einen abgebrochenen Baumstumpf halten. Längst hat sich die Sage um diesen Stein gerankt: Der Volksmund erzählt, daß hier ein Vater den letzten seiner sieben Söhne begraben habe. Es ist sonderbar, daß ihn dieser legendären Überlieferung die Erinnerung an eine wahre Begebenheit stecken kann, obgleich der Stein ganz eindeutig erzählt, daß er aus anderem Grunde gesetzt wurde.
Was ist eigentlich ein Huckup?
Der Aufhocker (niederdeutsch Huckup, sorbisch Buback) ist in der Mythologie ein koboldartiger Druckgeist, der Wanderern, die nachts noch unterwegs sind, auf die Schultern oder den Rücken springt und mit jedem Schritt schwerer wird. Der Wanderer ist wie gelähmt, leidet unter Brustangst und ist unfähig sich umzuwenden. Der Aufhocker bleibt auf dem Wanderer sitzen, bis dieser durch das heraufbrechende Licht, ein Gebet oder Glockenläuten von ihm erlöst wird. (Friedrich Ranke) . Oft spielt sich das albtraumhafte Erlebnis des Aufhockens in drei Phasen ab. Der Wanderer wird zunächst von einem unheimlichen Wesen angesprochen oder begleitet, dann wächst der dämonische Begleiter zu übernatürlicher Größe an und schließlich springt er seinem Opfer auf den Rücken. Typische Spukorte wie Bäche, Brücken, Seen, Wälder, Gräben, Wegkreuzungen, Hohlwege, Kirchhöfe und Mord- oder Richtstätten sind die übliche Stelle für eine Begegnung mit dem Aufhocker, die für den Wanderer körperliche und seelische Krankheiten und manchmal sogar den Tod zur Folge haben kann.
Manchmal treten die Aufhocker zunächst als Mitleid erregende alte Frauen in Erscheinung, sie können aber auch Tiergestalten wie Hund, Bär oder Werwolf annehmen. Auch Elementarwesen wie Wassermänner oder Irrlichter betätigen sich als Aufhocker. Entscheidend scheint nicht die Gestalt des Aufhockers, sondern das Beklemmende der Situation zu sein. Ein Aufhocker in der Gestalt eines alten Manns ist auch aus der orientalischen Märchensammlung "Tausendundeine Nacht" überliefert, in der er Sindbad dem Seefahrer auf einer einsamen Insel begegnet.
Seine Ursprünge hat der Glaube an den Aufhocker jedoch in der Furcht vor dem Wiedergänger, dem Untoten. Die ältesten Berichte über Aufhocker sprechen eindeutig von "aufhuckenden Leichen" und nicht von Kobolden oder Gespenstern. Im Gegensatz zum Nachzehrer, der sein Grab nicht verlassen musste, wenn er den Lebenden Schaden zufügen wollte, stiegen andere Untote ähnlich den Vampiren heraus und raubten den Menschen die Lebenskraft. Das konnte sinnlich-konkret durch das Absaugen von Blut geschehen, aber auch in einer eher abstrahierten Form. Dies trifft, wie neuere Untersuchungen zeigen, auch auf die Vampire zu, denen in den ältesten Berichten eine schädigende Wirkung durch "Würgen" und "Auszehren", nicht aber durch Blutsaugen nachgesagt wird. Im Westen Deutschlands verschmilzt der Aufhocker mit dem Werwolf zum Stüpp, einem gefährlichen Unhold, der den Menschen anspringt und sich so lange herumtragen lässt, bis das Opfer an Entkräftung stirbt.
Text- und Bildquelle:
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